Wenn der Kiefer hakt und klemmt: So funktioniert die CMD Funktionsanalyse

27. Juni 2022

Die Untersuchung der Kiefergelenke und des Kausystems ist vor einer kieferorthopädischen Behandlung oder einer umfangreichen zahnärztlichen Therapie wichtig, um Funktionsstörungen zu erkennen und zu beheben. Neben der manuellen Untersuchung kann ergänzend auch eine instrumentelle Funktionsanalyse erfolgen. 

Darum braucht es eine Funktionsanalyse beim Zahnarzt oder Kieferorthopäden

Harmonieren Zähne, Kaumuskulatur und Kiefergelenke nicht richtig miteinander, könnte eine Funktionsstörung des Gebisses die Ursache sein. Oft reicht hier schon ein kleiner Defekt, wie z. B. ein falscher Zahnkontakt beim Zusammenbeißen, und der Kauapparat kommt aus dem Gleichgewicht. Und das kann – neben Bruxismus, Schmerzen und Beschwerden in den Kiefergelenken und der Kaumuskulatur – weitreichende Folgen haben. So sind Fehlregulierungen und gestörte Funktionsketten im Zahn-, Mund- und Kiefersystem unter anderem für Verspannungen im Kopf- und Nackenbereich, Kopfschmerzen, Bewegungseinschränkungen der Wirbelsäule oder Haltungsschäden verantwortlich.  

Um solchen craniomandibulären Dysfunktionen – kurz CMD genannt – auf die Spur zu kommen und eine zielführende Therapie dieser Fehlfunktionen im Bereich von Schädel (lat.: cranium) und Unterkiefer (lat.: mandibula) zu ermöglichen, nutzen Zahnmediziner die Funktionsanalyse. Aber auch im Vorfeld zahnärztlicher Maßnahmen und kieferorthopädischer Behandlungen setzen Zahnärzte bzw. Fachzahnärzte für Kieferorthopädie dieses diagnostische Verfahren ein. 

Mit der Funktionsanalyse der Störungsursache auf der Spur

Ziel der Funktionsanalyse ist die Überprüfung der einzelnen Komponenten des Kauapparats und des Zusammenwirkens von Kiefergelenken und den beteiligten Muskelgruppen. Zudem werden die Zahnkontaktverhältnisse in statischer und dynamischer Okklusion (ohne und mit Bewegung des Unterkiefers) geprüft. Außerdem wird die exakte Lagebeziehung zwischen Schädel und Kiefer dargestellt, die Bewegungsabläufe der Kiefergelenke aufgezeigt sowie die Stellung von oberen und unteren Zähnen zueinander analysiert. 

Funktionsanalyse: Manuelle vs. instrumentelle Untersuchung

Im Rahmen der Funktionsanalyse wird zwischen der manuellen und der instrumentellen Gebissanalyse unterschieden. 

1. manuelle Funktionsanalyse

Der Patient wird vom behandelten Arzt händisch durch Abtasten des Kauorgans und einen manuellen Belastbarkeitstest untersucht. 

2. instrumentelle Funktionsanalyse

Mithilfe spezieller Mess- und Registrierinstrumente werden die Schädel-Kiefer-Achse, die Bewegungsfunktion des Unterkiefers und der Kiefergelenke sowie die Kontaktpunkte der Zähne erfasst und analysiert. Die instrumentelle Funktionsanalyse präzisiert den Befund der bereits manuell erfolgten Funktionsanalyse bei einer vorliegenden Verdachtsdiagnose auf CMD.

So funktioniert die instrumentelle Funktionsanalyse beim Zahnarzt 

In einem ersten Schritt werden Abdrücke beider Kiefer genommen, auf deren Basis das Dentallabor Kiefermodelle aus Gips fertigt. Alternativ kann ein intraoraler Scan der Zähne und Kiefer angefertigt werden und die Modelle werden im 3D-Druck hergestellt. Um zu ermitteln, wo genau sich die Kiefergelenke im Schädel befinden und wie sich der Unterkiefer bewegt, kommt ein Gesichtsbogen zum Einsatz. Dieses am Patientenkopf positionierte Gerät mag auf den ersten Blick „gefährlich“ aussehen, ist es aber keineswegs. Vielmehr ermöglicht es die Bestimmung der exakten Lage des Oberkiefers zur Schädelbasis und zu den Kiefergelenken und somit die Aufzeichnung essenzieller Parameter. Die gemessenen Daten werden anschließend auf ein weiteres Instrument übertragen – den Artikulator. In diesen „Kau-Simulator“, bei dem der Patient keine aktive Rolle mehr spielt, wurden vorher die Modelle des Ober- und Unterkiefers in Okklusion (Zahnkontakt) montiert. Außerhalb des Mundes können somit nun die individuellen Kiefergelenkbewegungen des Patienten simuliert werden, woraus sich für den behandelnden Zahnarzt oder Kieferorthopäden Informationen ergeben, auf deren Grundlage er die Therapie der vorliegenden Funktionsstörung festlegen kann. 

 

Computergestützt in 3D: die instrumentelle Funktionsanalyse

Dank modernster Technologien ist es heutzutage auch möglich, die instrumentelle Funktionsanalyse mit computergestützten Registriersystemen durchzuführen. Mithilfe optischer Sensoren werden die benötigten Parameter dabei dreidimensional erfasst, in virtuelle Artikulatoren übertragen, mit speziellen Software-Lösungen analysiert und hinsichtlich therapeutischer Maßnahmen digital weiterverarbeitet. Des Weiteren stellt die digitale Volumentomografie (DVT) eine wertvolle diagnostische Möglichkeit dar, deren hochpräzise Aufnahmen in eine Funktionsanalyse einfließen können. 

Doch egal, ob nach der manuellen Gebissuntersuchung nun traditionelle oder computergestützte Messsysteme bei der instrumentellen Funktionsanalyse zum Einsatz kommen – die insgesamt gewonnenen Daten sind entscheidend. Sie zeigen auf, wie genau der Biss des Patienten funktioniert und liefern somit die Grundlage für die Planung der Therapie. Beim Vorliegen von Funktionsstörungen kann eine CMD-Vorbehandlung vor der eigentlich geplanten kieferorthopädischen oder zahnärztlichen Therapie notwendig werden. Dabei kommen meist CMD-Entlastungsschienen und begleitende physiotherapeutische oder osteopathischen Maßnahmen zum Einsatz. 

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